Interviews des Tages

Live-Plenum
Eure Fragen - unsere Antworten

Dieses Interview war bis 01.11.2025 10:00 Uhr freigeschaltet.

Inhalt des Interviews

Hier findet ihr die Aufzeichnung unseres Live-Plenums vom 30. Oktober

Mit dabei waren:

  • Birgit Gattringer – Bindung statt Bestrafung 
  • Diana MayNeurodiverse Kinder verstehen und gelassener begleiten
  • Ulla Richter – ADHS als Mutter – zwischen Reizflut und Superkraft
  • Stefanie von BrückKita ohne Drama
  • Jenni WiemannInneres Kind
  • Ursula SontheimSo gelingt echte Veränderung im Familienalltag
  • Anja JostenPatchwork-Miteinander ohne ständigen Konflikt
  • Sonja PeccatorGefühle fühlen &  –Kinder aus dem Herzen begleiten
  • Claudia Hannemann – Reflexintegration → End-stresst durch den Mama-Alltag
  • Jasmin Nowak – was Kinder abends brauchen
  • Doris GantenbeinAbschied vom Mythos „Trotzphase”
  • Sandra Quedenbaum – Stress am Tisch
  • Tanja Bolhuis-Fisser – Warum wir mit Verständnis weiterkommen als mit Regeln und Reaktionen

Antworten der Expertinnen, die leider beim Plenum nicht dabei sein konnten, auf eure Fragen:

Karin Wallner: 
F: Vielen lieben Dank für Ihren, für mich sehr hilfreichen Beitrag und den Link zu diesen tollen Karten! Eine Frage habe ich zu den Karten für Kinder: online steht, dass sie ab ca. 5 Jahren empfohlen sind. Würden Sie daher von einem Einsatz mehrere Jahre früher eher abraten (d.h. sie dann spielerisch durchzugehen wie eine Geschichte/ ein Buch, sofern das Kind Interesse hätte)?

A: Die Empfehlung „ab 5 Jahren“ ist deshalb angegeben, weil Kinder ab diesem Alter meist besser zuhören, mitdenken und auf Fragen antworten können. Trotzdem spricht absolut nichts dagegen, die Geschichten schon früher vorzulesen – wenn die Eltern das Kind dabei begleiten und es spielerisch geschieht.

Karin Wallner:
F: Das Interview mit Karin war echt mega. Aber gestern ist es mal wieder voll eskaliert: Wir kamen vom Schwimmen heim und es war eigentlich alles prima – und pöltzlich ist er voll abgegangen, hat mich getreten und immer wieder geboxt und egal, was ich gesagt oder gemacht hab,einfach nicht aufgehört. Es hat mir so weh getan, echt auch schon körperlich und ich hab auch gesagt hör auf, hat er aber einfach nicht. Ich hab dann irgendwann nur noch geweint aber selbst das war ihm egal. Mnachmal denk ich, er hat überhaupt kein mitgefühl und keinenr REspekt vor mir und ich versteh einach nicht, waurm er das macht…

A: Wenn ich diese Frage lese, möchte ich zuerst sagen, dass ich sehr gut verstehen kann, wie herausfordernd und schmerzhaft diese Situation war. Eltern geben so viel und manchmal wünscht man sich einfach nur Leichtigkeit.

Ich würde hier empfehlen, zunächst die eigene Perspektive genau anzuschauen:
Was hast du beobachtet?
Wie ging es dir körperlich (Ressourcen) und emotional?
Was hast du gedacht, was dir gewünscht, was gebraucht?
Welche Bewertungen hattest du in dem Moment im Kopf und welche davon waren vielleicht nicht hilfreich oder haben die Situation weiter zugespitzt?
–> Wenn du deine eigene Seite verstehst, siehst du klarer, welcher Anteil bei dir lag und wo du in Zukunft anders handeln könntest.

Danach lohnt sich der Blick auf dein Kind:
Was hast du bei ihm gesehen?
Was könnte es gedacht, gefühlt, gebraucht haben?
Wie waren seine Ressourcen in diesem Moment?
Und: Was war vorher los – denn manchmal liegt die eigentliche Ursache nicht in der Situation selbst.

Beim Lesen deiner Nachricht lese, habe ich den Eindruck, dass die Verantwortung (unbewusst) stark bei deinem Kind liegt.
Hier liegt eine Chance: mehr bei sich zu bleiben und zu schauen, wie du dich selbst schützen und gleichzeitig dein Kind begleiten kannst.

Karin Wallner:
F: Das Gespräch hat mir echt Mut gemacht, aber ehrlich gesagt – im Alltag klappt das null. Mein Sohn schreit, wirft Sachen, haut, und ich weiß gar nicht mehr, wie ich reagieren soll. Wenn ich ruhig bleib, macht er weiter, wenn ich laut werd, ist’s auch falsch. Was hilft denn wirklich in dem Moment?“

A: Auch hier ist es wichtig, die Situation genau anzuschauen: Was war los, wie alt ist das Kind, was ist in der Situation passiert und auch früher am Tag?

Erst die eigene Perspektive betrachten, dann die des Kindes – so wird deutlich, was ihr beide gebraucht habt.

Meist sind Bewertungen oder Erwartungen mit im Spiel, die unbewusst Druck erzeugen oder die Situation weiter eskalieren lassen. Welche findest du und kannst anders für dich deuten?

Sehr hilfreich ist es auch, in der eigenen elterlichen erwachsenen Präsenz zu bleiben, ohne getriggert zu reagieren. Denn das Verhalten des Kindes kommt nicht aus Bosheit, sondern aus unerfüllten Bedürfnissen. Diese Bedürfnisse erkennst du viel leichter, wenn du selbst ruhig und verbunden bleibst und genau das ist der Schlüssel, um solche Momente ruhiger und präsenter begleiten zu können und so auch schneller in Verbindung mit dem Kind zu kommen.

Kiran Deuretzbacher:
F: Liebe Kiran, mit dem Bild mit der Welle hast du mich voll abgeholt, das kann ich mir gut merken. Ich hab das so verstanden, dass es okay ist, wenn’s mal kracht. Aber bei uns kracht’s ständig – und manchmal hab ich einfach keine Kraft mehr, diese Wellen zu reiten. Auch, weil mein Mann sich da immer komplett raushält. Jetzt weiß ich gar nicht, was ich eigentlich fragen will: Wie ich ihn dazu bekomme, mir mehr abzunehmen.. oder wie damit besser klarkommen kann und es mich nciht ständig so erschöpft, immerzu streit schlichetn zu müssen.

A: Wie schön, dass dich das Wellenbild abgeholt hat – ich mag es auch sehr, es trägt mich oft.
Es tut mir leid, dass du die Wellen eures Familienalltages alleine tragen musst, das ist nicht fair.
Und ehrlich es sollte nicht auch noch deine Aufgabe sein – deinen Mann da auch “irgendwie“ ins Boot zu bekommen. Ja es ist wichtig, dass du im die handreichst – ihr seid ein Team – doch die Aufgabe ins Boot und in die Verantwortung zu steigen ist immer noch seine.
Und es ist nicht euer indivduelles Problem, es ist ein tief verankertes systemische Problem, dass wir die emotional Load (emotionale Last/Verantwortung) in unserer Gesellschaft Frauen zu ordnen. Es ist doch nicht genetisch, dass wir Frauen uns um die Emotionen und somit um die Konflikte kümmern sollten – das ist eine gesellschaftliche Aufteilung und ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es für alle wertvoll ist – wenn wir diese Erwartung aufbrechen.

Du darfst deinen Fokus auf dich und deine Kraft und deine Energie, da gehe ich auch besonders in meinem Buch – starke Gefühle, starker Halt drauf ein. Dein innerer Halt – macht dich stark – deine Gefühle geben dir Orientierung.

In meinem Buch, Konflikte nutzen statt vermeiden gehe ich darauf ein – das ja Konflikte wichtig sind auf jedenfall und doch dass wir nicht jeden Konflikt bis zur Erschöpfung “mitnehmen müssen“ und wie wir Konflikte so angehen können, das sie auch im Kerne gesehen werden und somit nicht immer wieder neu auftauchen und unseren Alltag erschweren. Da ist es wichtig zu schauen – um was geht es wirklich, was liegt unter der Eisbergspitze.

Höre dir dazu gerne auch die Podcastfolgen rund von mir zum Thema Konflikte an, da bekommst du auch wertvollen Input.

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Zu den Interviews von:

Mehr Herz, weniger Drama

25. bis 29. Oktober 2025

© 2025, Judith Lell-Wagener